Drei Tage, acht Konferenzen, über 6000 Besucher. Und ein Thema, an dem keiner vorbeikam: Künstliche Intelligenz. Wir waren auf der next.app devCon 2026 in der CityCube Berlin und haben jede Menge mitgenommen: technische Impulse, unbequeme Zahlen und eine ermutigende Antwort auf die Frage, ob es uns Entwickler bald noch braucht.
next.app devCon: Acht Konferenzen unter einem Dach
Die next.app devCon vereint unter einem Dach, was in der App-Welt Rang und Namen hat: droidCon, flutterCon, swiftCon, reactCon, agentic codingCon, xr&game devsCon, masCon und techlead summit. Mit mehr als 400 Talks, Workshops und Codelabs ist sie einer der wichtigsten Treffpunkte für Mobile- und App-Entwickler in Europa. Unter den Besuchern hieß es augenzwinkernd: Eigentlich hätte die ganze Veranstaltung auch „agentic codingCon“ heißen können; so präsent war das Thema KI-Agenten in fast jedem Vortrag.
Is the Mobile Developer dead?
Die große Frage hinter vielen Sessions: Ersetzt KI den Programmierer? Ein Blick zurück hilft. Schon 1955 schrieb Grace Hopper in „Automatic Coding for Digital Computers“, dass der Computer ‒ und nicht der Programmierer ‒ künftig den Code im Detail schreiben werde. Das war viele Jahre vor COBOL. Abgeschafft wurde der Programmierer damals nicht. Im Gegenteil: Jeder Umbruch in unserer Branche hat zunächst Angst gemacht, und am Ende in ein goldenes Zeitalter geführt.
Agentic Coding: Wie viel geben wir ab?
Wie stark KI heute schon in die Entwicklung eingreift, lässt sich als Leiter beschreiben – etwa mit dieser Agentic Coding Ladder, die sich an verbreiteten Stufenmodellen der Branche orientiert:

- L1: KI unterstützt.
- L2: KI schreibt, der Mensch prüft.
- L3: KI schreibt und reviewt vorab, der Mensch merged und verantwortet.
- L3.5: Risikoarmes geht per Auto-Merge, Riskantes wartet auf den Menschen.
- L4: weitgehend autonom.
- L5: „Dark Factory“ – aus Spezifikationen entsteht Software ohne Menschen.
Damit verschiebt sich die Rolle von Entwicklern. Den Code schreibt zunehmend der Agent – wir bauen den Rahmen, in dem er arbeitet. Dafür fiel auf der Konferenz der Begriff Harness Engineering, halb im Scherz auch „Senior Markdown Engineer“.
Harness Engineering: Wissen gehört ins System, nicht in die Köpfe
Der Kern von Harness Engineering: Entscheidungen, Konventionen und Vorlieben eines Teams werden als Skills festgehalten – und Code-Erstellung und Review greifen auf dieselben Regeln zurück. Keine Wissenssilos mehr. Aber: Beschreiben reicht nicht, Regeln müssen durchgesetzt werden. Ein Compiler, der den Build bricht, ist verbindlicher als eine Lint-Regel, eine Lint-Regel verbindlicher als eine Doku, die man lesen kann, und eine Prompt-Datei wird „vielleicht beachtet“.
Daraus folgt: So viel wie möglich deterministisch prüfen. Compiler, Tests und Linting müssen laufen, ein KI-Review filtert vor. Was sich nicht mechanisch prüfen lässt, bleibt Urteil des Menschen. Quality Gates gehören an jede Station – vom Agenten im Loop über den Commit und die CI-Pipeline bis zum Merge. Je früher geprüft wird, desto günstiger die Korrektur.
Mobile App Security: Keine Geheimnisse in der App
Ein Dauerbrenner, der durch KI-generierten Code noch wichtiger wird: Alles, was im Kompilat steckt, ist auslesbar (Keys, Tokens, Strings). Gegen Dekompilieren helfen Obfuskierung (z.B. R8/ProGuard), String-Verschlüsselung, kritische Logik in nativem Code, Root-, Jailbreak- und Debugger-Erkennung, Integritätsprüfungen über Play Integrity und App Attest sowie Certificate Pinning.
Die Kehrseite: Kosten und Developer Health
Auffällig offen wurde auf der next.app devCon 2026 auch über den Preis des KI-Booms gesprochen – gesellschaftlich wie persönlich. Genannt wurden unter anderem rund 500 Mrd. US-Dollar KI-Schulden, steigende Stromkosten für Haushalte in den USA durch Rechenzentren und bis zu 5 Mio. Tonnen Elektroschrott durch KI-Server bis 2030.
Dazu kommt der Mensch vor dem Bildschirm. In einer kleinen Umfrage unter Entwicklern gaben 67 % an, sich im Job weniger sicher zu fühlen, 61 % fühlen sich überforderter oder erschöpfter. Die Coding-Aktivität steigt sprunghaft, die Zahl der Releases deutlich weniger. Statt tiefer Konzentration droht ein Kreislauf aus Prompt, Warten, Review, Wiederholen. Und unser Gehirn hat Grenzen: Wer mehrere Agenten parallel steuert, ist schnell über der Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses. Gründliche Code-Reviews funktionieren bei etwa 200 bis 400 Zeilen – darüber sinkt die Fehlerquote beim Finden deutlich.
Was hilft? Notizen und Pläne statt alles im Kopf, länger an einer Aufgabe bleiben, Limits per Timer, bewusst Tage ohne KI – auch, um eigene Fähigkeiten zu erhalten – und nicht jedes neue Modell sofort ausprobieren. Plus das, was immer hilft: trinken, dehnen, Pausen, Spaziergänge und Austausch mit Menschen.
Unser Fazit zur next.app devCon 2026
Nein, der Programmierer wird nicht abgeschafft. Die Arbeit wird eine andere, und das hat seinen Preis. Aber wir verfolgen mit Spannung, wohin die Reise geht. Vielleicht ins nächste goldene Zeitalter?
Für unsere Kunden bedeutet das: Wir setzen KI dort ein, wo sie Qualität und Tempo bringt. Mit klaren Regeln, automatisierten Prüfungen und erfahrenen Entwicklern, die Verantwortung übernehmen. Software Made in Germany eben.




